
Frau Bockstahler, was unterscheidet den Lernort Büro von anderen Lernorten?
Im Büro steht nicht das Lernen selbst im Mittelpunkt, sondern die Arbeit. Gerade darin liegt eine besondere Stärke: Lernen findet hier häufig unmittelbar im Arbeitsprozess statt. Während Lernen in Bildungseinrichtungen oft geplant und strukturiert erfolgt, ist es im Büro meist informeller und mit konkreten Herausforderungen verknüpft.
Menschen erwerben neues Wissen, indem sie gemeinsam Probleme lösen, andere beobachten, Fragen stellen oder Erfahrungen austauschen. Der Lernort Büro bietet dadurch die Möglichkeit, neues Wissen direkt anzuwenden und aus realen Situationen zu lernen. Lernen und Arbeiten sind hier keine getrennten Aktivitäten, sondern greifen ineinander.
Was macht einen Arbeitsraum lernförderlich?
Ein lernförderlicher Arbeitsraum unterstützt nicht nur die Erledigung von Aufgaben, sondern auch den Austausch von Wissen und Erfahrungen. Dafür braucht es vor allem eine Umgebung, die Begegnungen ermöglicht, Kommunikation erleichtert und gleichzeitig Raum für konzentriertes Arbeiten bietet.
Besonders wichtig sind unterschiedliche Nutzungszonen: Bereiche für spontane Gespräche und Zusammenarbeit ebenso wie Rückzugsorte für vertiefte Reflexion und konzentrierte Wissensverarbeitung. Der entscheidende Unterschied zu einem rein produktivitätsorientierten Büro liegt darin, dass nicht ausschließlich Effizienz im Fokus steht. Lernförderliche Arbeitsumgebungen berücksichtigen zusätzlich, wie Wissen geteilt, Erfahrungen weitergegeben und neue Ideen entwickelt werden können.
„Lernförderliche Arbeitsumgebungen berücksichtigen zusätzlich, wie Wissen geteilt, Erfahrungen weitergegeben und neue Ideen entwickelt werden können.“
Ein Unternehmen hat Budget für genau eine Maßnahme, um die Arbeitsumgebung lernförderlicher zu gestalten. Welche würden Sie empfehlen?
Dann würde ich Orte für ungeplante Begegnungen und fachlichen Austausch empfehlen. Viele wertvolle Lernprozesse entstehen nicht in Schulungen oder Workshops, sondern im Arbeitsalltag: durch kurze Rückfragen, spontane Gespräche, informelle Problemlösung oder den Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Solche Situationen lassen sich nicht erzwingen, aber räumlich begünstigen. Unternehmen unterschätzen oft, welchen Einfluss gut gestaltete Begegnungsorte auf Wissensaustausch, Lernen und Innovation haben können.
Was war der überraschendste Befund Ihrer Forschung darüber, wo im Büro tatsächlich gelernt wird?
Mein Forschungsschwerpunkt liegt nicht direkt auf Lernprozessen, sondern auf Arbeitsumgebungen, Zusammenarbeit, Wissensaustausch und Kreativität. Gerade deshalb hat mich eine Beobachtung immer wieder überrascht: Die wertvollsten Lernimpulse entstehen häufig nicht an den Orten, die ausdrücklich zum Lernen vorgesehen sind. Stattdessen findet Lernen oft dort statt, wo Menschen gemeinsam an konkreten Aufgaben arbeiten, Herausforderungen diskutieren oder Erfahrungen austauschen.
Das zeigt aus meiner Sicht, dass Lernen im Büro weniger an bestimmte Räume gebunden ist, sondern vor allem an die Qualität der Interaktionen. Lernen kann letztlich überall dort stattfinden, wo Austausch und gemeinsames Nachdenken möglich sind.
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